Dysphagie

 

Dysphagie

Die 10 häufigsten Fragen zu Schluckstörungen

 

  • 1.  Wie funktioniert das normale Schlucken? Open or Close

     

    Jeder gesunde Mensch schluckt bis zu 2000mal täglich, ohne darüber nachzudenken.  Wir kauen und schlucken bei den Mahlzeiten und schlucken etwa 1mal pro Minute unseren Speichel.

     

    Die Wege für Nahrung, Flüssigkeit und Speichel (Speiseröhre)  sowie für die Atmung  (Luftröhre) liegen nahe beieinander. Atmung und Schlucken  müssen aber unbedingt getrennt voneinander erfolgen, damit man sich nicht verschluckt.

     

    Die alltägliche und scheinbar einfache Handlung ‚Schlucken‘ ist tatsächlich ein hochkomplizierter Ablauf, in dem etwa 50 Muskelpaare vom Gehirn gesteuert werden und in der Bewegungsausführung zeitgerecht aufeinander abgestimmt werden müssen.

     

    Das normale Schlucken wird in verschiedene Phasen eingeteilt:

     

    I prae-orale Phase (Essen/Getränke stehen bereit)

     

    Durch  das Sehen, Riechen oder Anfassen der Nahrung werden die Schluckzentren im Gehirn schon vor dem Essen auf das Schlucken vorbereitet. Im Mund wird mehr Speichel gebildet und die Schwelle für das Auslösen des Schluckreflexes wird gesenkt.

     

    II orale Phase (Mund)

     

    Der Mund wird geöffnet, Nahrung wird aufgenommen und die Lippen werden wieder fest verschlossen.

     

    Die  Nahrung wird gekaut und mit Speichel vermischt. Dabei haben wir  intensive Lippen-, Zungen- und  Kieferbewegungen.

     

    Die Zunge drückt sich von vorne nach hinten an den Gaumen  und befördert so die Nahrung  nach hinten. Durch das Gaumensegel wird die Mundhöhle zum Nasenraum verschlossen

     

    Der Schluckreflex wird ausgelöst Bis zur Auslösung des Schluckreflexes können wir alles willkürlich steuern.

     

    III Pharyngeale Phase (Rachen)

     

    Ist der Schluckreflex  ausgelöst, ist keine willkürliche Steuerung mehr möglich.

     

    Die Atmung wird unterbrochen, die Luftwege werden geschützt.

     

    Dafür geht der Kehlkopf  hoch und  nach vorne. Der Kehldeckel verschließt den Kehlkopf und die Nahrung wird durch Bewegungen der Rachenmuskulatur weiter nach unten in Richtung Speiseröhre transportiert. Der obere Schließmuskel der Speiseröhre öffnet sich und lässt die Nahrung passieren.

     

    IV Ösophageale Phase (Speiseröhre)

     

    Die Muskulatur im Rachen und  Kehlkopf  gehen wieder in die  Ausgangsstellung und die Atmung setzt wieder ein.

    Es erfolgt der Transport der Nahrung durch die Speiseröhre. 

    Der untere Schließmuskel der Speiseröhre zum Magen öffnet sich für die Nahrung und schließt wieder.

     

    Alle Muskeln geben während  des gesamten Ablaufes immer wieder Rückmeldungen über die Beschaffenheit der Nahrung oder die erfolgreiche Ausführung der einzelnen Stufen an die Schluckzentren im Gehirn.  So kann von dort die  muskuläre Kraft angepasst werden. Auch werden von dort Schutzreflexe wie Husten oder Räuspern ausgelöst, wenn  Gefahr für das Eindringen von Krümeln oder Tropfen  in die Luftwege besteht.

     

  • 2. Was ist eine Schluckstörung (Dysphagie)? Open or Close

     

    Probleme bei der Aufnahme, dem Transport und dem Schlucken von Nahrung, Flüssigkeit und Sekret werden als Schluckstörungen bezeichnet.  

     

    Wenn man sich verschluckt und Speichel, Flüssigkeit  oder Nahrung in die Luftwege gelangen, spricht man von einer  Aspiration‘. 

     

    Normalerweise löst ein Verschlucken sofort Schutzreflexe  aus: Husten  oder Räuspern. Wenn jedoch die Sensibilität (Gefühls- oder Wahrnehmungsstörung) eingeschränkt ist, kann die Auslösung der Schutzreflexe  ausbleiben. 

     

    Ein Verschlucken ohne Husten oder Räuspern nennt man ‚stille Aspiration‘ oder ‚silent aspiration‘.  Sie ist besonders gefährlich, weil die Störung  dann erst durch das Auftreten gehäufter Infekte oder einer Lungenentzündung bemerkt wird. 

     

    Schwierigkeiten beim Schlucken können sich bei den verschiedenen Kostformen unterschiedlich auswirken. So ist es möglich, dass ein Betroffener gar keine Nahrung oder sogar seinen Speichel nicht mehr schlucken  kann. Oder  aber Nahrung kann gut geschluckt werden und nur  Getränke  bereiten Probleme.  Daher  ist bei Schluckstörungen immer eine gründliche Untersuchung erforderlich.

     

     

    Das Verschlucken (Aspiration) hat  gravierende Folgen für den Körper, das allgemeine Befinden und das soziale Umfeld:

     

    è Es können Lungenentzündungen entstehen, die zu einer  lebensbedrohlich Situation werden können.

     

    è Es kann zu einer Mangelernährung oder einer unzureichenden Versorgung mit  Flüssigkeit kommen und damit zu einem schleichenden Kräfteverfall und Immobilität.

     

    è Es kann die Anlage einer Kanüle in die Luftröhre nötig sein, wenn sogar das Schlucken von Speichel nicht gelingt.

     

    è Die Betroffenen werden  vom sozialen Leben ausgeschlossen, denn Geselligkeit ist oft mit gutem Essen und Trinken verbunden.

    Die Lebensqualität wird deutlich vermindert, wenn man nicht mehr mit Genus und Freude essen oder trinken  kann.

  • 3. Was sind die Hinweise auf eine Schluckstörung? Open or Close

     

    Es kann  während des  Essens oder Trinkens  Hinweise auf Schluckstörungen geben.

     

    Sie werden als direkte Hinweise auf Schluckstörungen  bezeichnet:

     

    ·         Verschlucken / Husten / Räuspern

     

    ·         erhöhter Zeitbedarf beim Essen

     

    ·         verlängerte Kauphase, Bissen bleiben lange im Mund

     

    ·         es dauert lange, bis der Schluckreflex ausgelöst wird

     

    ·         mehrmaliges erfolgloses Schlucken

     

    ·         starkes Mitbewegen von Kopf / Hals

     

    ·         laute Schluckgeräusche

     

    ·         feucht-gurgelnder Stimmklang

     

    ·         brodelnd-rasselnde Atmung

     

    ·         Tropfen/Krümel rund um den Mund

     

    ·         Flüssigkeit/Nahrung laufen aus der Nase oder dem Mund

     

    ·         Speisereste verbleiben im Mund

     

    ·         Herauswürgen von Nahrung

     

     

     

    Es kann aber auch unabhängig vom Essen und Trinken Hinweise auf das Vorliegen einer Schluckstörung geben.

     

    Sie werden als indirekte Hinweise auf  Schluckstörungen bezeichnet

     

    ·         vermehrte Verschleimung

     

    ·         häufiges Räuspern

     

    ·         laute Atemgeräusche (rasselnd-brodelnd)

     

    ·         Kloßgefühl im Hals

     

    ·         Stechen / Brennen / Druck im Rachen oder in der Speiseröhre

     

    ·         Bissspuren (Wangenschleimhaut, Zunge, Lippen)

     

    ·         Speisereste im Bett oder auf der Kleidung

     

    ·         eingeschränkte Lungenfunktion

     

    ·         wiederholte  Bronchitis / Lungenentzündung / Infekte

     

    ·         plötzliches hohes Fieber oder unklarer leichter Temperaturanstieg ( knapp über 37 ° )

     

    ·         auffällige Laborwerte (z.B. Entzündungszeichen oder Hinweise auf Mangelernährung)

     

    ·         Angst vor  dem Essen oder Trinken, Vermeiden bestimmter Speisen

     

    ·         Gewichtsverlust / Exsikkose (Austrocknung)

     

    ·         Reflux

     

  • 4. Was sind die Ursachen für eine Schluckstörung? Open or Close

     

    Die Ursachen einer Schluckstörung können vielfältig sein.

     

    Krankhafte Veränderungen der am Schlucken beteiligten Organe können zu Schluckstörungen führen.  Dazu zählen z.B. Fehlbildungen wie Lippen-, Kiefer-Gaumenspalten, Verengungen in der Speiseröhre oder aber Entzündungen und Gewebeneubildungen (Tumore) im Mund-Rachenraum.

     

    Vereinzelt können Medikamente den Schluckablauf erschweren.

     

    Auch Verletzungen im Kopf-Halsbereich (durch Gewalteinwirkung oder Operationen) sowie verschluckte Fremdkörper können das Schlucken beeinträchtigen.

     

    Altersbedingte Veränderungen wie z.B. Zahnverlust, muskuläre Schwächen, veränderte Schleimhautbeschaffenheit (Mundtrockenheit) sowie eine verspätete Schluckreflexauslösung können ebenfalls zu Problemen beim Essen und Trinken führen.

     

     

     

    Die häufigste Ursache für eine Schluckstörung stellt eine neurologische Erkrankung dar.

     

    Man spricht dann von einer  „Neurogenen Dysphagie“. Lähmungen und Wahrnehmungsdefizite sowie veränderte Reflexe führen zu komplexen Störungsmustern.

     

    Zu den Erkrankungen des zentralen Nervensystems zählen  Schlaganfälle, Schädelhirntraumata, Entzündungen (z.B. Multiple Sklerose), degenerative Erkrankungen (z.B.  Parkinson, Multisysthematrophien, Demenzen), Infektionen sowie Tumore. Auch Erkrankungen der Hirnnerven (z.B. ALS, Guillain-Barre-Syndrom (GBS)), des neuro-muskulären Übergangs (z.B. Myastenia gravis) sowie Muskelerkrankungen (z.B. Muskeldystrophien) können zu Schluckstörungen führen.

     

  • 5. An wen wende ich mich bei Problemen beim Schlucken? Open or Close

     

    Bei Problemen mit der Nahrungsaufnahme bzw. bei Hinweisen auf eine Schluckstörung wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt, einen Neurologen oder einen HNO-Arzt.  Bei Kindern ist der Ansprechpartner der behandelnde Kinderarzt.

     

     

     

    Falls weitere Untersuchungen erforderlich sind, wird Ihr Arzt Sie an einen (weiteren) Facharzt überweisen. Spezielle Untersuchungen können durch  Phoniater,  Internisten/Gastroenterologen oder Radiologen durchgeführt werden. Die Untersuchungen erfolgen in der Regel ambulant.

     

     

     

    Wird eine schlucktherapeutische Untersuchung/Schlucktherapie von Ihrem Arzt empfohlen, suchen Sie eine Praxis für Logopädie/Sprachtherapie auf.

     

     

     

    Neben der ambulanten Diagnostik und Therapie sind die Untersuchungen und die Therapie auch im Rahmen eines akuten Krankenhausaufenthaltes bzw. einer Rehabilitationsmaß-nahme möglich.

     

  • 6. Wie bekomme ich eine logopädische Therapie? Open or Close

     

    Nach einer akuten Erkrankung besteht die Möglichkeit einer stationären oder teilstationären Rehabilitationsmaßnahme. Diese wird vom Akutkrankenhaus  oder über den Hausarzt in die Wege geleitet. Im  Rahmen dieser Maßnahme kann beim Vorliegen einer Schluckstörung  logopädische Therapie erfolgen.

     

     

     

    Für eine ambulante sprachtherapeutische Therapie ist eine  ärztlich verordnete Heilmittelverordnung erforderlich. Diese kann vom Hausarzt, Neurologen, Hals-/Nasen-/Ohrenarzt, Zahnarzt oder auch Kieferorthopäden ausgestellt werden.

     

    Mit dieser Verordnung wenden Sie sich an eine sprachtherapeutische Praxis. Bei der Suche kann Ihnen der verordnende Arzt helfen bzw. Sie suchen eine Praxis über das Telefonbuch (s. Gelbe Seiten unter „Logopädie“). Bei Bedarf kann Ihnen Ihr Arzt auch einen Hausbesuch durch die Therapeutin verordnen.

     

  • 7. Wie werden Schluckstörungen untersucht? Open or Close

     

    Nur mit einer umfangreichen Diagnostik lässt sich klären, ob eine Dysphagie vorliegt, wie schwer die Störung ist, welcher Behandlungsansatz richtig ist oder  welche  Kostform sich eignet.

     

     

     

    Die ärztlichen Untersuchungen richten sich zuerst auf den medizinischen Hintergrund, so werden  z.B. mögliche neurologische Erkrankungen genau erfasst.   Ergeben sich daraus Hinweise auf Schwierigkeiten beim Schlucken, wird in der Regel ein Logopäde / Sprach-therapeut hinzugezogen.

     

     

     

    In der logopädischen klinischen Untersuchung werden alle Funktionen und Bereiche geprüft, die für das Schlucken wichtig sind:

     

    è die Muskulatur im Mund-Rachen-Bereich wird hinsichtlich möglicher Lähmungen geprüft

     

    è die Artikulation wird analysiert, weil Fehler Hinweise geben, welche Anteile  der Schlucksequenz  eingeschränkt  sind

     

    è die Atmung wird untersucht; sie ist wichtig für  ein kräftiges Husten/Räuspern, für das Wahrnehmen von Sekret/Nahrungsresten  im Rachen, wichtig um die Atempause beim Schlucken nicht zu unterbrechen

     

    è die Stimme  wird untersucht, weil ein  feucht-gurgelnder Klang auf gefährliche  Reste nach dem Schlucken hinweist und eine Stimmbandlähmung mit  rauh-heiserem oder behauchten Stimmklang  den notwendigen Verschluss der Atemwege erschwert

     

    è die Sensibilität (Gefühls- oder Wahrnehmungsstörung) wird getestet, weil davon die Auslösung von Schluckreflex und Schutzreflexen abhängt

     

    è zusätzlich werden noch Rahmenbedingungen wie z.B. Konzentration oder Haltung beobachtet

     

    è in Schluckversuchen mit verschiedenen Konsistenzen wird der Schluckablauf untersucht

     

     

     

    Sehr viel  genauer lassen sich Schluckstörungen mit Hilfe apparativer Verfahren untersuchen. Sie werden meistens in Kliniken in Zusammenarbeit zwischen Arzt und Logopäde/Sprachtherapeut durchgeführt. Dazu gibt es eine anschauliche Darstellung im Internet: http://www.dysphagie.ch/deutsch/diagnostik-therapie/endoskopie/

     

     

     

    Am  häufigsten wird inzwischen eine Schluckendoskopie (fiberendoskopische Untersuchung des Schluckens;  FEES: Fiberoptic Endoscopic Evaluation of Swallowing) eingesetzt.

     

    Dabei wird ein dünner Schlauch durch  Nase und Rachen bis oberhalb des Kehlkopfes eingeführt. Eine Kamera vorne am Schlauch liefert klare Bilder über die Situation im Hals   und die Bewegungen der Muskulatur bei verschiedenen Aufgaben (z.B. einen hohen Ton singen) sowie  nach dem Schlucken. Damit kann gut sehen, ob Speichel geschluckt werden kann,  welche Kostform Probleme bereitet, ob Nahrung vollständig geschluckt wird oder Reste verbleben.

     

     

     

    Es gibt aber auch andere radiologische Untersuchungen, wie  die Hochgeschwindigkeitskinematographie (auch Röntgenkinematographie) oder die Videofluoroskopie, bei denen der Pat. ein Kontrastmittel schluckt. Der gesamte Schluckablauf wird  während einer Röntgenaufnahme mit vielen  Bildern  pro Sekunde dargestellt. Der Schluck wird von der Mundhöhle über den Rachen bis in die Speiseröhre sichtbar. So kann man mögliche Fehlerquellen besonders sicher erkennen. Diese Untersuchung wird aber nur in wenigen Kliniken durchgeführt und ist wegen des Kontrastmittels und der Röntgenstrahlen nicht ganz unproblematisch.

     

     

     

    Zusätzlich gibt es auch apparative Untersuchungen zu speziellen Fragestellungen wie die Manometrie, mit der man die Druckverhältnisse der Schließmuskel in der Speiseröhre messen kann.

     

  • 8. Wie kann eine Schluckstörung behandelt werden Open or Close

     

    Die Therapie der Schluckstörung erfolgt auf der Grundlage der diagnostischen Ergebnisse.

     

    Bei jeder Form der Schluckstörung gilt es, die Atmung zu sichern, ein Verschlucken zu vermeiden und eine ausreichende Ernährung zu gewährleisten.

     

     

     

    Wenn möglich, werden die Ursachen der Schluckstörung ärztlich behandelt. Bei Entzündungen oder bei einer Refluxerkrankung kann dies medikamentös erfolgen. Bei Gewebsveränderungen und Tumoren kann eine Operation, Chemotherapie  oder Bestrahlung erforderlich sein.

     

     

     

    Im Anschluss an die ärztlichen Maßnahmen bzw. direkt nach der Diagnostik kann eine Therapie durch Schlucktherapeuten (Logopäden/Sprachtherapeuten) sinnvoll sein.

     

    In der Therapie wird an der Wiederherstellung der gestörten Funktionen (Restitution), an der Kompensation  oder an der Anpassung der Umwelt (Adaptation) gearbeitet.

     

    Es kommen verschiedenen Therapiemethoden zum Einsatz wie z.B. die Funktionelle Dysphagietherapie (FDT), die Therapie nach Castillo Morales, die Facio-orale –Trakt-Therapie (F.O.T.T.), die Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) oder  die Elektrostimulation.

     

    Bei restituierenden Verfahren werden Übungen durchgeführt, die die Beweglichkeit von betroffenen Muskeln und Veränderungen bei der  Sensibilität verbessern sollen. So kann z.B. durch Eisstimulation die Gesichts- und Zungenmuskulatur vor Bewegungsübungen aktiviert werden oder auch die Schluckreflexauslösung angebahnt werden.

     

    Kompensatorische Maßnahmen wie  Haltungsänderungen (z.B. Kopfneigung oder Kopfdrehung beim Schlucken)  sowie spezielle Schlucktechniken (z.B. „Halten Sie die Luft beim Schlucken fest an. Husten Sie sofort nach dem Schlucken“) können trainiert werden, um das sichere Essen und Trinken zu ermöglichen.

     

    Darüber hinaus kann eine Anpassung der Umwelt  durch die Wahl von geeigneten Nahrungsmitteln sowie den Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. Spezialbesteck, Trinkhilfen) besprochen und ausprobiert werden.

     

     

     

    Besteht die Gefahr, sich ständig an seinem Speichel und Sekret zu verschlucken, sind ggf. ein Luftröhrenschnitt und eine Trachealkanüle erforderlich. Der Patient kann über die Kanüle atmen, gleichzeitig kann das Hinabgleiten von Speichel und Sekret in die Lunge mit Hilfe einer Blockung verhindert werden .In diesen Fällen stehen in der anschließenden Schlucktherapie der Umgang mit der Trachealkanüle und die Entwöhnung von der Kanüle im Mittelpunkt.

     

  • 9. Wie kann man mit Schluckstörungen ernährt werden? Open or Close

     

    Je nach Art und Ausmaß der Schluckstörung wird die Ernährung individuell angepasst.

     

     

     

    Bei leichten bis mittelschweren Schluckstörungen besteht die Möglichkeit, die Konsistenz der Nahrung zu verändern, um eine vollständige orale Ernährung weiterhin zu ermöglichen. Bereiten z.B. Flüssigkeiten Probleme, so können diese durch Andickungspulver in ihrer Fließgeschwindigkeit verändert werden.

     

    Ist feste Nahrung oder krümelige Kost problematisch, so können weiche und gut gleitfähige Konsistenzen gewählt werden. Es empfiehlt sich, einen individuellen Kostplan in Rücksprache mit einem Schlucktherapeuten zu erstellen.

     

     

     

    Sind spezielle Körperhaltungen und Schluckmanöver beim Essen und Trinken zu berücksichtigen, so wird Ihr Therapeut auch diese mit Ihnen einüben.

     

     

     

    Bei nicht mehr ausreichender oraler Ernährung sind Ergänzungen in Form von hochkalorischen Getränken und Cremes empfehlenswert. Diese erhalten Sie ebenso wie Andickungspulver in der Apotheke.

     

     

     

    Ist trotz dieser Maßnahmen eine ausreichende und/oder sichere orale Ernährung nicht mehr möglich, so kann die Ernährung künstlich erfolgen. Die Art der künstlichen Ernährung richtet sich nach dem Allgemeinzustand und nach der voraussichtlichen Dauer der künstlichen Ernährung. Es werden entweder unter Aussparung des Magen-Darm-Traktes intravenös Flüssigkeiten und Nährstoffe zugeführt oder über eine Magensonde, die durch die Nase über den Rachen und die Speiseröhre bis in den Magen gelegt wird. Man spricht in diesem Falle von einer nasogastralen Sonde.

     

    Ist eine längerfristige künstliche Ernährung erforderlich, so wird die Sonde direkt durch die Bauchdecke in den Magen oder Darm gelegt. Man spricht dabei von einer PEG- oder PEJ-Sonde.

     

     

     

    Bei allen Formen der künstlichen Ernährung ist die zusätzliche orale Ernährung generell möglich. Ob dies im Einzelfall erfolgen darf, ist mit dem behandelnden Arzt und dem Schlucktherapeuten zu besprechen.

     

  • 10. Gibt es Hilfen, die das Essen und Trinken erleichtern? Open or Close

     

    Über verschiedene Wege lassen sich die Nahrungsaufnahme und das Trinken erleichtern.

     

     

     

     

     

    I Kostformen und Nahrungsergänzungen

     

    Wenn es beim Trinken immer wieder zum Husten kommt, sollten die Getränke angedickt werden, um die Fließgeschwindigkeit  der Flüssigkeit und das Risiko des Verschluckens zu verringern. In Apotheken oder Sanitätshäusern gibt es dafür Andickungspulver von verschiedenen Anbietern.

     

     

     

    Bei fester Nahrung gibt es verschiedene Möglichkeiten das Schlucken zu erleichtern und sicherer zu machen. Häufig hilft es, auf die Gleitfähigkeit der Speisen zu achten. Hierzu ein paar Beispiele:

     

    -        z.B. viel Soße beim Mittagessen, auf das Brot unter der Marmelade dick Butter oder Quark auftragen

     

    -       Vermeidung von krümeligem Schwarzbrot, Brot ohne Rinde

     

    -       Mittagessen pürieren, manchmal reicht es, nur das Fleisch zu pürieren

     

    -       Vermeidung von Mahlzeiten mit verschiedenen Konsistenzen, also lieber eine Cremesuppe als eine  Brühe mit Einlage, lieber eine Banane oder püriertes Obst als Clementinen

     

    Für spezielle  Getränke oder Speisen, die sich gut trinken oder essen lassen  gibt es Rezepte und Anregungen in  Büchern und Broschüren, z.B. Kerstin Schlee, „Schluckstörungen – Genußvoll essen und trinken“ Merimo-rehbilitative Module, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

     

     

     

    Fällt es schwer, die nötige Kalorien- oder Eiweißmenge aufzunehmen, gibt es inzwischen eine große Anzahl verschiedener hochkalorischer Nahrungsergänzungsmittel, die sich leicht schlucken lassen.  Diese spezielle Kost z.B. in Form von Puddings und Getränken kann der Hausarzt auf Rezept verordnen und läßt sich über Apotheken oder Sanitätshäuser bestellen. Man kann auch die Nahrung selber hochkalorisch anreichern mit Eiweiß (Pulver: E 88) oder Kohlenhydraten (Pulver: Maltodextrin), beides ist in der Apotheke erhältlich.

     

    Abzuraten ist von einer Ernährung über Gläschen aus dem Bereich der Babynahrung: hier wäre die Konsistenz gut geeignet, die Nährstoffdichte ist aber unzureichend.

     

     

     

     

     

    II Hilfsmittel

     

    Es lassen sich verschiedene Hilfsmittel beim Essen und Trinken einsetzen, die den Ablauf erleichtern, so dass der Betroffene  sich mehr auf das Schlucken konzentrieren kann.

     

     

     

    è antirutsch-Unterlagen  als sichere, feste Basis für das Geschirr sind erhältlich in Sanitätshäusern oder über das Internet

     

     

     

    è verschiedene Becher, aus denen man ohne Kopfstreckung trinken kann:

     

    -       innen kegelförmig, ornamin.provita.com/shop (Produktname:Becher mit Trink-Trick)

     

    -       mit einem Nasenausschnitt, www.apo-rot.de

     

    -       Becher, deren Form sich besser dem Mund anpassen oder die sich gut halten lassen:

     

    o   CamoCup, Trink(lern)becher, camocup.de

     

    o   Dysphagiebecher, oval, Nestlé, www.unizell.de

     

    o   Logocup, Becherhalter, www.k2-Verlag.de

     

     

     

     

     

     

     

    è besonderes Geschirr: Unisono Spezialgeschirr, Antaris Spezialbesteck,  www.wgp-produktdesign.de;        Teller („ Kipp-Trick“ -Reste laufen zusammen), www.ornamin.provita.com/sho.de 

     

    è Strohhalm mit Rücklaufstopp,  www.prolog-shop.de

     

     

     

    III Rahmenbedingungen

     

    Essen und Trinken lassen sich auch durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen erleichtern.

     

     

     

    Gestaltung der Umgebung

     

    -       keine Ablenkung / nicht sprechen

     

    -       Zahnprothese mit Haftcreme  befestigen

     

    -       am Tisch sitzen oder falls dies nicht möglich ist, Lagerung mit  aufrechtem Oberkörper/ 90° Oberkörperhochlagerung

     

     

     

    Bei der Nahrungsaufnahme beachten

     

    -       kleine Bissen, kleine Schlucke, evtl. per Teelöffel

     

    -       langsames Tempo

     

    -       kauen, schlucken, nachschlucken

     

    -       räuspern und nachschlucken beseitigt Reste im  Rachen

     

    -       evtl. feste und flüssige Speisen trennen ( z.B. zuerst Getränk -  dann Brot, um gemischte Konsistenzen und vermehrte Gefahr des Verschluckens zu vermeiden)

     

     

     

    Hilfen beim  Essen / Trinken

     

    -       Mund vor dem Essen befeuchten, kann  danach den oralen Transport erleichtern

     

    -       gefährliche krümelige Reste  im Rachen vermeiden: einige Löffel  Joghurt nach krümeligen  Speisen schlucken

     

    -       nach dem Essen den Mund spülen

     

    -       Tabletten  rutschen besser auf einem Löffel Apfelmus o. Joghurt

     

     

     

    -       bei verzögertem Schlucken (Schluckreflex-Auslösung fördern):

     

    à  einige Löffel  Eis o.  gefrorenes Fruchtmus  vor  dem Essen lutschen

     

          à  Wechsel warmer und kühler Speisen

     

                      à  zum Kauen auffordern

     

                      à  Bewegungen bei selbständigem Essen wirken indirekt auf die Schluck-

     

                zentren im Gehirn, deshalb statt Anreichen lieber mit passiv geführten

     

                Bewegungen selbständig essen lassen

     

                      à  beim Anreichen:  den  Löffel mittig auf der Zunge  nach unten drücken,

     

                und dann erst den Löffel herausziehen

     

          à  intensive Anregung für die Auslösung des Schluckreflexes durch

     

                Druck mit dem Finger am Mundboden: Fingerkuppe drückt  mittig auf Mundboden, bleibt an der Stelle und macht eine rollende Bewegung von vorne Richtung Kehlkopf (wie in einem Kugelgelenk)